Prozessauftakt in Hannover: Über 100 Sexualdelikte, fast 100 Opfer noch unbekannt
Am Landgericht Hannover hat am Donnerstag der Prozess gegen einen Mann begonnen, dem mehr als 100 Sexualstraftaten vorgeworfen werden. Laut Polizeidirektion Hannover soll er eine Frau über Jahre hinweg betäubt und sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben, während sie widerstandsunfähig war. Videos davon lud er demnach auf eine Internetplattform hoch.
Der Fall ist Teil eines außergewöhnlich umfangreichen Ermittlungskomplexes. Die Polizeidirektion führte Verfahren wegen mehr als 178 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Eine eigene Ermittlungsgruppe mit bis zu 13 Mitarbeitenden bearbeitete den Fall, unterstützt vom Landeskriminalamt Niedersachsen.
Die Zahlen geben einen Eindruck vom Ausmaß: 42.000 Videodateien gesichtet, davon fast 1.700 als inkriminiert eingestuft und vollständig ausgewertet. Rund 6.000 Chatverläufe analysiert. 78 Folgeverfahren gegen Kontaktpersonen des Beschuldigten — in Deutschland und mindestens zehn weiteren europäischen Staaten.
Fast 100 Opfer sind noch nicht identifiziert.
Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten sagte: „Ermittlungsarbeit wird oft an Zahlen gemessen. Mir ist hier aber noch wichtiger, was hinter den Zahlen steht: eine Frau, deren Vertrauen in eine Partnerschaft massiv missbraucht wurde." Sie appellierte an mögliche Betroffene, sich zu melden: „Wir müssen Verdachtsmomente ernst nehmen, sie nicht kleinreden oder ignorieren."
Die Polizeidirektion Hannover ist unter 0511 109-1040 erreichbar.