4.399 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen in Hannover — HAIP legt Jahresbericht vor

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4.399 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen in Hannover — HAIP legt Jahresbericht vor
Foto: Das Neue Rathaus. / CC BY SA 4.0

In Hannover wurden im vergangenen Jahr 4.399 Fälle häuslicher Gewalt mit weiblichen Betroffenen registriert. 2024 waren es 4.338. Die Beratungs- und Interventionsstellen (BISS), die explizit zu häuslicher Gewalt beraten, verzeichneten 3.702 betroffene Frauen. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 des Hannoverschen Interventionsprogramms gegen Häusliche Gewalt (HAIP) hervor.

„Häusliche Gewalt ist ein unangenehmes Thema und daher reden wir viel zu selten darüber", sagt Hannovers Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt. Die Zahlen zeigten, wie dringend Betroffene Hilfe bräuchten.

Ein Schwerpunkt der HAIP-Arbeit war ein Klausurtag zur Umsetzung der Istanbul-Konvention — dem völkerrechtlich bindenden Übereinkommen des Europarats zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Ergebnis: ein Positions- und Forderungspapier, das unter anderem eine auskömmliche Finanzierung der Gewaltschutzinfrastruktur, bessere Öffentlichkeitsarbeit und regelmäßige Fortbildungen in Jugendamt, Ausländerbehörde und Wohnraumvermittlung fordert.

Im Dezember gastierte die Ausstellung „HerzSchlag" des Landeskriminalamts Niedersachsen für eine Woche im Bürgersaal des Neuen Rathauses. Sie thematisiert partnerschaftliche Gewalt und richtet sich besonders an Jugendliche — Studien zeigen, dass Gewalt in jungen Beziehungen eine relevante Rolle spielt. Schülerinnen und Schüler wurden von Mitarbeitenden der BISS-Stellen und der Polizei durch die Ausstellung begleitet.

Neu ist eine Gewaltschutzwohnung für Männer, die seit Oktober 2025 eine Lücke im Hilfesystem schließt. Sie richtet sich an volljährige Männer, die von Partnerschaftsgewalt, familiärer Gewalt oder Bedrohungslagen wie Zwangsheirat oder Stalking betroffen sind. Träger ist das Männerbüro Hannover e.V., das im HAIP-Netzwerk seit fast zwanzig Jahren männliche Opfer berät.

HAIP ist ein interdisziplinäres Netzwerk aus aktuell 44 Institutionen unter Federführung der Gleichstellungsbeauftragten. Es entstand aus dem 1992 gegründeten Runden Tisch gegen Männergewalt in der Familie und wurde 1997 durch eine Verfügung des Polizeipräsidenten umgesetzt.

Der vollständige Jahresbericht steht auf der Website der Landeshauptstadt Hannover zum Download bereit.